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KI-Sichtbarkeit

Welche Medien zitiert ChatGPT? Die Datenlage 2026

Von Kathlen Bremer · Veröffentlicht am 13.08.2026 · Aktualisiert am 13.08.2026 · 9 min Lesezeit

Die kurze Antwort

KI-Systeme zitieren überwiegend Unternehmenswebsites, nicht Medien. In einer Auswertung von 250.000 KI-Antworten entfielen 66,2 Prozent der zitierten Quellen auf Corporate-Inhalte. Unter den Nachrichtenmedien führt im deutschsprachigen Raum die Welt mit 17 Prozent, gefolgt vom Handelsblatt mit 12,2 Prozent.
  • Die meistzitierten Einzeldomains sind youtube.com mit 15,18 Prozent, reddit.com mit 14,55 Prozent, wikipedia.org mit 9,05 Prozent und linkedin.com mit 7,12 Prozent.
  • Erstes deutsches Medium ist welt.de auf Rang fünf mit 6,69 Prozent, danach folgt handelsblatt.com mit 4,98 Prozent.
  • Bezahlte Inhalte spielen praktisch keine Rolle. Eine Auswertung von über 25 Millionen zitierten Links ordnet 84 Prozent der Zitationen Earned Media zu und 0,3 Prozent bezahlten Inhalten und Advertorials.
  • Die drei großen Systeme zitieren unterschiedlich. Google AI Overviews setzt YouTube auf Platz eins, ChatGPT greift stärker auf Reddit und Wikipedia zurück, Perplexity zieht häufiger Fachpresse heran.
Mehrere aufgefächerte Zeitungen als Sinnbild für die Frage, welche Medien von KI-Systemen zitiert werden

Inhalt

  1. Woher die Zahlen stammen
  2. Welche Quellentypen KI-Systeme zitieren
  3. Diese Nachrichtenmedien werden am häufigsten zitiert
  4. Wo sich ChatGPT, Perplexity und Google unterscheiden
  5. Was daraus für Ihr Unternehmen folgt

Woher die Zahlen stammen

Zu dieser Frage gibt es zwei belastbare Auswertungen, und sie widersprechen sich auf den ersten Blick.
Die blinq LLM-Quellen-Studie 2026 analysierte 250.000 Antworten auf rund 2.000 Prompts im Zeitraum vom 1. Januar bis 30. Juni 2026. Untersucht wurden ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity, verteilt auf Top- und Mid-Funnel-Fragen sowie auf B2B und B2C. Abgedeckt sind fünf Branchen: Tech und Software, Handel und E-Commerce, Finance und Insurance, Marketing und PR, sowie Industrie und Fertigung.
Die zweite Quelle ist die Auswertung What Is AI Reading von Muck Rack aus dem Mai 2026. Sie stützt sich auf über 25 Millionen Links, die ChatGPT, Claude und Gemini in ihren Antworten zitiert haben, verteilt auf 17 Branchen.
Der scheinbare Widerspruch: blinq ordnet 66,2 Prozent der Zitationen Corporate-Inhalten zu, Muck Rack 84 Prozent Earned Media. Beide Zahlen können stimmen, weil sie Verschiedenes messen. blinq fragt, wem eine zitierte Seite gehört. Muck Rack fragt, ob ein Inhalt verdient, gekauft oder selbst publiziert ist, und zählt dabei auch Verzeichnisse, Portale und Plattformen zum Earned-Bereich. Wer beide Studien nebeneinanderlegt, erhält dasselbe Bild aus zwei Richtungen: Sichtbarkeit in KI-Antworten entsteht auf der eigenen Website und über fremde Erwähnungen, so gut wie nie über bezahlte Platzierungen.
Beide Studien stammen von Anbietern, die im Feld Geld verdienen. blinq verkauft Software für KI-Sichtbarkeit, Muck Rack verkauft PR-Software. Das ist kein Grund, die Zahlen zu verwerfen, aber ein Grund, sie als Richtungsangabe zu lesen und nicht als Naturkonstante. Beide Erhebungen hängen außerdem stark davon ab, welche Prompts gestellt wurden.

Welche Quellentypen KI-Systeme zitieren

Die Verteilung ist eindeutiger, als die meisten Unternehmen erwarten. Medien machen zusammengenommen weniger als ein Siebtel der zitierten Quellen aus.
Quellentyp
Anteil
Was dahintersteckt
Unternehmenswebsites, Blogs, Landingpages
66,2 %
Eigene Inhalte der Anbieter
Fachpresse
7,4 %
Branchen- und Fachmedien
User-generated Content
6,4 %
Foren und Communitys, vor allem Reddit
Bewertungsplattformen
5,4 %
Portale mit Nutzerbewertungen
Nachrichtenportale
5,2 %
Tages- und Wirtschaftspresse
Nachschlagewerke
4,9 %
Wikipedia und Vergleichbares
Quelle: blinq LLM-Quellen-Studie 2026, 250.000 Antworten auf rund 2.000 Prompts, erhoben vom 1. Januar bis 30. Juni 2026 in ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity. Die Werte summieren sich nicht auf 100 Prozent, weil kleinere Kategorien hier nicht aufgeführt sind.

Diese Nachrichtenmedien werden am häufigsten zitiert

Innerhalb des Nachrichtensegments ist die Verteilung deutlich konzentrierter. Die ersten drei Medien vereinen zusammen fast vierzig Prozent aller Zitationen aus diesem Segment auf sich.
Medium
Anteil im Nachrichtensegment
Schwerpunkt
Welt
17 %
Nachrichten, Wirtschaft, Politik
Handelsblatt
12,2 %
Wirtschaft und Finanzen
Chip
8,9 %
Technik und Verbraucherthemen
Focus
8,5 %
Nachrichten und Ratgeber
BILD
8,4 %
Boulevard und Nachrichten
FAZ
8,2 %
Wirtschaft und Politik
Es folgen WirtschaftsWoche mit 6,8 Prozent, Süddeutsche Zeitung mit 6,6 Prozent, n-tv mit 6 Prozent, heise und Spiegel mit je 5,9 Prozent sowie T-Online mit 5,7 Prozent. Quelle ist dieselbe blinq-Auswertung.
Für die Themenplanung ist vor allem der zweite Rang aufschlussreich. Das Handelsblatt liegt im Nachrichtensegment vor Focus, BILD und FAZ, obwohl seine Reichweite deutlich kleiner ist. Wirtschaftsfachliche Tiefe wiegt in diesem Ranking offenbar schwerer als Auflage. Dasselbe Muster zeigt Chip auf Rang drei.

Wo sich ChatGPT, Perplexity und Google unterscheiden

Die drei Systeme greifen erkennbar verschieden zu. Wer nur eines davon im Blick hat, optimiert an zwei Dritteln des Marktes vorbei.
  • ChatGPT stützt sich am stärksten auf Reddit, Wikipedia, die Welt, LinkedIn, Google und BILD. Auffällig ist das Gewicht von Wikipedia, das bei den beiden anderen Systemen geringer ausfällt.
  • Google AI Overviews setzt YouTube auf Platz eins und zitiert daneben Reddit und Instagram überdurchschnittlich oft. Google-eigene Inhalte ranken hier deutlich höher als bei ChatGPT.
  • Perplexity zieht ebenfalls YouTube, Reddit, LinkedIn und Instagram heran, greift zusätzlich aber am häufigsten von allen dreien auf Fachpresse zurück, insbesondere Handelsblatt und Chip. In den Top 10 tauchen dort auch omr.com und stern.de auf.
  • Die praktische Folge: Video und Community sind bei Google und Perplexity wichtiger, redaktionelle Substanz und Nachschlagewerke bei ChatGPT. Ein Unternehmen, das ausschließlich Pressearbeit betreibt, deckt damit nur einen Teil der Sichtbarkeit ab.

Was daraus für Ihr Unternehmen folgt

Vier Schlüsse lassen sich aus den Daten ableiten, ohne zu spekulieren.
  • Die eigene Website ist der größte Hebel. Zwei von drei zitierten Quellen sind Corporate-Inhalte. Wer Geld in KI-Sichtbarkeit steckt, sollte deshalb zuerst prüfen, ob die eigenen Seiten die Fragen der Zielgruppe überhaupt beantworten, bevor externe Kanäle bespielt werden.
  • Wikipedia und LinkedIn sind unterschätzt. Beide liegen unter den vier meistzitierten Einzeldomains. Ein gepflegtes Unternehmensprofil und, wo die Relevanzkriterien es hergeben, ein Wikipedia-Eintrag wirken hier stärker als eine weitere Pressemitteilung.
  • Fachpresse schlägt Reichweite. Handelsblatt und Chip stehen im Nachrichtensegment vor auflagenstärkeren Titeln. Für B2B-Unternehmen ist eine Platzierung im passenden Fachmedium wertvoller als eine in einem großen Publikumstitel.
  • Bezahlte Platzierungen erzeugen keine KI-Sichtbarkeit. Mit 0,3 Prozent Anteil an den Zitationen sind Advertorials für dieses Ziel das falsche Instrument. Sie haben andere Stärken, planbare Erscheinungstermine etwa, aber nicht diese.

Häufige Fragen

Welche Medien zitiert ChatGPT am häufigsten?
Zitieren alle KI-Systeme dieselben Quellen?
Wie kommt man in die Quellen von KI-Antworten?
Bringt ein Advertorial Sichtbarkeit in KI-Antworten?
Wie oft ändern sich diese Zahlen?
Kathlen Bremer, Geschäftsführerin der HEADLINE Communications GmbH

Kathlen Bremer

Geschäftsführerin, HEADLINE Communications GmbH
Kathlen Bremer führt die Hamburger PR-Agentur HEADLINE Communications und arbeitet seit Jahren mit mittelständischen Unternehmen an deren Sichtbarkeit in Medien, Suchmaschinen und KI-Systemen. Ihr Schwerpunkt liegt auf messbarer Pressearbeit und transparenten Leistungsversprechen.

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