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Grundlagen

Advertorial, Pressemitteilung oder organische Presse: Was bringt was?

Von Kathlen Bremer · Veröffentlicht am 13.08.2026 · Aktualisiert am 13.08.2026 · 9 min Lesezeit

Die kurze Antwort

Die drei Wege lösen verschiedene Probleme und lassen sich deshalb nicht gegeneinander aufrechnen. Eine Pressemitteilung ist ein Angebot an Redaktionen, kostet bei einer Agentur 1.000 bis 3.000 Euro und kann folgenlos bleiben. Ein Advertorial ist ein bezahlter Beitrag, erscheint garantiert, kostet 1.500 bis 30.000 Euro und trägt eine Anzeigenkennzeichnung. Organische Pressearbeit ist laufende Beziehungsarbeit mit Redaktionen und liegt im Mittelstand bei 3.000 bis 7.000 Euro im Monat.
  • Planbarkeit bietet nur das Advertorial. Bei den beiden anderen Wegen entscheidet am Ende eine Redaktion.
  • Glaubwürdigkeit liefert die organische Presse. 84 Prozent der von KI-Systemen zitierten Quellen sind Earned Media, auf bezahlte Inhalte und Advertorials entfallen 0,3 Prozent (Muck Rack, Mai 2026).
  • Als Einstieg eignet sich die Pressemitteilung. 85 Prozent der Medienschaffenden im deutschsprachigen Raum nutzen Pressemitteilungen als Recherchequelle, 43 Prozent davon täglich (news aktuell, 2025).
  • Wer nur eines der drei Instrumente einsetzt, zahlt für Lücken, die die anderen beiden schließen würden.
Drei aufgefächerte Dokumentenmappen als Sinnbild für die drei Wege in die Medien

Inhalt

  1. Die drei Wege in einem Satz
  2. Was jeder Weg tatsächlich kostet
  3. Der direkte Vergleich
  4. Welcher Weg zu welchem Ziel passt
  5. Die vier häufigsten Fehlentscheidungen

Die drei Wege in einem Satz

Die Pressemitteilung ist ein Angebot. Sie schreiben eine Nachricht so auf, dass eine Redaktion sie ohne großen Aufwand verwenden kann, und schicken sie an einen Verteiler. Ob daraus Berichterstattung wird, entscheidet die Redaktion. Der Kanal funktioniert nach wie vor: Laut einer Befragung von news aktuell aus dem Frühjahr 2025 unter mehr als 1.000 Medienschaffenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz nutzen 85 Prozent Pressemitteilungen als Recherchequelle, 43 Prozent sogar täglich. Damit liegt der Kanal knapp vor persönlichen Gesprächen mit 84 Prozent und vor Suchmaschinen mit 80 Prozent.
Das Advertorial ist ein Kauf. Sie erwerben Platz in einem Medium, der Beitrag erscheint im Layout des Hauses, und das Erscheinen ist vertraglich zugesichert. Der Preis richtet sich fast vollständig danach, ob das Medium Reichweite garantiert oder nur den Platz verkauft. Nach § 5a UWG muss der kommerzielle Charakter erkennbar sein, üblicherweise durch die Kennzeichnung als Anzeige oder bezahlter Beitrag.
Organische Presse ist Beziehungsarbeit. Statt einer einzelnen Meldung steht dahinter ein Themenplan, ein gepflegter Verteiler und die persönliche Ansprache einzelner Journalisten. Der Report State of Journalism 2026 von Muck Rack, für den 897 auswertbare Antworten von Journalisten zwischen Ende Januar und Anfang März 2026 erhoben wurden, zeigt, woran es meistens hängt: 86 Prozent der Befragten sagen, dass Pitches zumindest einige ihrer Geschichten anstoßen. Gleichzeitig verwerfen 88 Prozent einen Pitch sofort, wenn er nicht zu ihrem Ressort gehört. Der Erfolg entscheidet sich also nicht am Text, sondern an der Auswahl des Empfängers.

Was jeder Weg tatsächlich kostet

Die Preisunterschiede zwischen den drei Wegen sind größer, als die meisten Angebote vermuten lassen. Entscheidend ist dabei weniger der Einzelpreis als die Frage, wofür genau Sie bezahlen.
  • Pressemitteilung: 1.000 bis 3.000 Euro pro Stück. Diese Spanne nennt die Agentur Industrie-Contact in ihrer im April 2026 aktualisierten Kostenübersicht für Erstellung und Verbreitung. Die reine Verbreitung über Presseportale kostet dagegen ab 2 Euro pro Veröffentlichung, bei Portalen wie openPR sogar nichts. Sie bezahlen also die redaktionelle Arbeit davor, nicht den Versand.
  • Advertorial: 1.500 bis 30.000 Euro pro Platzierung. Ohne garantierte Reichweite beginnen Handelsblatt, WELT und Focus Online bei rund 1.500 bis 2.000 Euro. Mit zugesicherten Sichtkontakten steigt derselbe Platz auf 20.000 bis 30.000 Euro. Regionalmedien liegen bei 500 bis 3.000 Euro.
  • Organische Presse: 3.000 bis 7.000 Euro im Monat für Mittelständler. Diesen Rahmen nennt die Agentur Wordsmattr mit Stand April 2026. Abgerechnet wird meist über Tagessätze, die im deutschen PR-Markt zwischen 800 und 1.800 Euro liegen (Agenturmatching, Mai 2026). In München liegen die Sätze 20 bis 30 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.
  • Der versteckte Posten heißt Zeit. Eine Pressemitteilung wirkt am Tag des Versands oder gar nicht. Ein Advertorial wirkt, solange es online steht. Organische Presse braucht mehrere Monate, bevor sich Ergebnisse zeigen, und genau daran scheitern die meisten Mandate, nicht am Budget.

Der direkte Vergleich

Kriterium
Pressemitteilung
Advertorial
Organische Presse
Erscheinen
offen, die Redaktion entscheidet
vertraglich zugesichert
offen, die Redaktion entscheidet
Kosten
1.000 bis 3.000 € pro Meldung
1.500 bis 30.000 € pro Platzierung
3.000 bis 7.000 € pro Monat
Vorlauf bis zur Wirkung
5 bis 10 Arbeitstage
2 bis 6 Wochen bis zur Schaltung
3 bis 6 Monate
Kennzeichnung
keine
Pflicht als Anzeige oder Werbung
keine
Beitrag zu KI-Zitationen
nur über die entstehende Berichterstattung
0,3 Prozent aller zitierten Quellen
Teil der 84 Prozent Earned Media
Die Kostenangaben stammen aus den in den Quellen genannten Marktübersichten. Die Werte zu KI-Zitationen entstammen der Muck-Rack-Auswertung vom Mai 2026. Die Zeitangaben in der Zeile Vorlauf sind Erfahrungswerte aus unserer Arbeit und keine erhobenen Daten. Wichtig zur letzten Zeile: Eine Veröffentlichung auf einem Presseportal zählt nicht als Earned Media. Erst die Berichterstattung, die daraus entsteht, wird von KI-Systemen als fremde Quelle gewertet.

Welcher Weg zu welchem Ziel passt

Die nützlichere Frage lautet nicht, welcher Weg der beste ist, sondern welches Problem gerade gelöst werden muss. Fünf Situationen decken die meisten Fälle im Mittelstand ab.
Ziel
Erste Wahl
Warum
Ein Termin muss kommuniziert werden
Advertorial
Nur hier ist das Erscheinungsdatum zusagbar
Belege für den Vertrieb fehlen
Advertorial, danach organische Presse
Ein Beitrag in einem bekannten Medium wirkt sofort im Verkaufsgespräch
Das Unternehmen soll in KI-Antworten auftauchen
Organische Presse
Bezahlte Inhalte machen 0,3 Prozent der KI-Zitationen aus
Regelmäßige Neuigkeiten sollen laufen
Pressemitteilung
Günstigster Weg für wiederkehrende Routinemeldungen
Die Branche soll das Unternehmen als Stimme wahrnehmen
Organische Presse
Nur redaktionelle Beiträge tragen fremde Glaubwürdigkeit
Die Zuordnung ist eine Empfehlung, kein Naturgesetz. Sie ändert sich, sobald Budget, Zeitrahmen oder Branche stark vom Mittelwert abweichen.
In der Praxis arbeiten die meisten Unternehmen mit einer Mischung. Ein Advertorial verschafft kurzfristig einen belegbaren Auftritt, Pressemitteilungen halten den Nachrichtenfluss in Gang, und die organische Arbeit baut über Monate das auf, was sich nicht kaufen lässt. Wer nur ein Instrument nutzt, merkt die Lücke meist erst dann, wenn es schnell gehen soll.

Die vier häufigsten Fehlentscheidungen

Diese vier Muster sehen wir in Erstgesprächen immer wieder. Alle vier kosten Geld, ohne ein Ergebnis zu liefern.
  • Ein Advertorial kaufen, um in KI-Antworten aufzutauchen. Das ist das teuerste Missverständnis der Branche. Muck Rack hat im Mai 2026 über 25 Millionen von ChatGPT, Claude und Gemini zitierte Links über 17 Branchen ausgewertet. Auf bezahlte Inhalte und Advertorials entfielen 0,3 Prozent. Für dieses Ziel ist redaktionelle Arbeit das passende Werkzeug.
  • Eine einzelne Pressemitteilung als Test buchen. Redaktionen bauen Vertrauen über wiederkehrende Absender auf. Eine Meldung ohne Vorgeschichte hat eine geringe Chance, und aus ihrem Scheitern lässt sich nichts ableiten. Wer testen will, sollte drei bis vier Meldungen über ein halbes Jahr ansetzen.
  • Den Verteiler nach Reichweite statt nach Ressort bauen. 88 Prozent der befragten Journalisten verwerfen einen Pitch sofort, wenn er nicht in ihr Ressort fällt. Eine Aussendung an 5.000 Adressen erzeugt damit vor allem Papierkorb, während zwanzig passende Kontakte tatsächlich lesen.
  • Organische Presse nach drei Monaten abbrechen. Der Aufbau von Redaktionskontakten braucht länger als ein Quartal. Ein Mandat, das nach drei Monaten endet, hat die Kosten der Anlaufphase bezahlt, ohne deren Ertrag abzuwarten.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pressemitteilung und Advertorial?
Was kostet organische Pressearbeit im Monat?
Wie lange dauert es, bis Pressearbeit wirkt?
Welcher Weg bringt Sichtbarkeit in ChatGPT und anderen KI-Systemen?
Kann man mit einem einzigen Advertorial starten?
Kathlen Bremer, Geschäftsführerin der HEADLINE Communications GmbH

Kathlen Bremer

Geschäftsführerin, HEADLINE Communications GmbH
Kathlen Bremer führt die Hamburger PR-Agentur HEADLINE Communications und arbeitet seit Jahren mit mittelständischen Unternehmen an deren Sichtbarkeit in Medien, Suchmaschinen und KI-Systemen. Ihr Schwerpunkt liegt auf messbarer Pressearbeit und transparenten Leistungsversprechen.

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